Monheims Gesundheitscampus hat ein Problem: 800 Rheuma-Patienten betroffen

Die Stadt wollte Versorgungslücken schließen. Nun fehlen für Monate die Ärzte

Rund 800 Rheuma-Patienten des Gesundheitscampus Monheim müssen sich auf schwierige Monate einstellen. Ein Rheumatologe hat das MVZ verlassen, die verbliebene Ärztin ist offenbar ausgefallen. Auf der Website heißt es:

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https://www.gesundheitscampus-monheim.de/praxen-einrichtungen/rheumatologie

Eine Vertretung oder Alternative konnte bislang für den Gesundheitscampus beziehungsweise Monheim nicht gefunden werden. Ärztliche Kontrolltermine, Blutabnahmen, Beratungen und Rezeptausstellungen in der Rheumatologie können in den kommenden Monaten nicht vereinbart werden.

Monatelang ohne Rheumatologen

Für chronisch kranke Menschen kann das erhebliche Folgen haben. Rheumatische Erkrankungen müssen teilweise dauerhaft ärztlich überwacht werden. Medikamente, Blutkontrollen und beispielsweise bei Morbus Bechterew auch regelmäßige Physiotherapie gehören für viele Patienten zum Alltag.

Besonders schwierig wird die Situation für ältere und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Menschen, die nicht ohne Weiteres auf Ärzte in anderen Städten ausweichen können.

Ausgerechnet jetzt eine Versorgungslücke

Die Situation ist in Monheim besonders „ärgerlich“. Nach der Schließung des St.-Josef-Krankenhauses 2013 wollte die Stadt verhindern, dass sich die medizinische Versorgung vor Ort weiter verschlechtert. Sie trieb deshalb die Entwicklung des Gesundheitscampus voran und gründete ein eigenes kommunales MVZ.

2022 nahm es seinen Betrieb auf. Zusätzliche Fachrichtungen wie die Rheumatologie sollten bestehende Versorgungslücken schließen. Vier Jahre später zeigt sich nun, wie abhängig ein solches Angebot von wenigen Spezialisten ist.

Fachärzte fehlen – auch der Stadt

Der Hinweis auf den Mangel an Rheumatologen ist nachvollziehbar. Nach Angaben der Stadt wurde mit erheblichem Aufwand nach einer Vertretung gesucht – bislang leider ohne Erfolg. Denn einen Facharzt kann auch eine Kommune nicht einfach herbeizaubern.

Der Stadt muss aber zugutegehalten werden: Ohne ihr Engagement gäbe es möglicherweise schon seit Jahren keine Rheumatologie mehr in Monheim. Jetzt stellt sich die Frage: Wie krisenfest ist ein kommunales Gesundheitszentrum, das gerade zur Sicherung der medizinischen Versorgung gegründet wurde, wenn der Ausfall weniger Ärzte rund 800 Patienten über Monate vor erhebliche Probleme stellt?

Und wie kann jetzt den Patienten geholfen werden?

Bei akuten Problemen könnten rheumatologische Einrichtungen unter anderem in Wuppertal, Köln und Herne helfen. Für hochbetagte oder stark bewegungseingeschränkte Patienten ist das allerdings keine einfache Lösung.

Ein weiteres Problem betrifft die Physiotherapie. Gerade bei Erkrankungen wie Morbus Bechterew kann regelmäßige Krankengymnastik ein wichtiger Bestandteil der dauerhaften Behandlung sein.

Betroffene sollten deshalb auch mit ihrem Hausarzt sprechen. Bei bestimmten chronischen Erkrankungen greifen Regelungen zum langfristigen Heilmittelbedarf oder besonderen Verordnungsbedarf. Dadurch können unter bestimmten Voraussetzungen auch längerfristige Physiotherapie-Verordnungen möglich sein.

Eine Hotline für 800 Patienten?

Bei rund 800 Betroffenen wäre es wünschenswert, wenn die Stadt beziehungsweise das MVZ kurzfristig eine zentrale Hotline oder Koordinierungsstelle einrichten würde.

Dort könnten Patienten unkompliziert klären, an wen sie sich wegen Medikamenten, Rezepten, Blutkontrollen oder einer notwendigen Ersatzbehandlung wenden können.

Gerade ältere Menschen sollten nicht gezwungen sein, sich selbst durch verschiedene Arztpraxen, Kliniken und Zuständigkeiten zu telefonieren. Eine zentrale Anlaufstelle könnte zumindest verhindern, dass Patienten während der monatelangen Übergangszeit zwischen den Zuständigkeiten verloren gehen.

 

Quelle: MVZ Monheim

Bericht: LT

Fotos/Video: anzeiger24.de/

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