
Ausgerechnet die Peto-Fraktion brachte den Sachstand zur Mack-Pyramide auf die gestrige Tagesordnung des Monheimer Stadtrates. Sie wollte wissen, was die neue Verwaltung an dem Projekt verändert, welche Kosten dadurch entstehen und warum auf der Baustelle zeitweise kaum Fortschritte erkennbar seien. Doch die Antworten der Bürgermeisterin lösten bei zahlreichen Ratsmitgliedern Entsetzen aus: Nach ihrer Darstellung waren wesentliche technische Anforderungen nicht finanziert, zusätzliche Verpflichtungen ohne entsprechendes Projektbudget eingegangen und die wirtschaftlichen Grundlagen des späteren Betriebs nicht ausreichend geklärt.
Ende 2024 hatte der Rat das Bauvorhaben mit Gesamtprojektkosten von 49,5 Millionen Euro beschlossen. Jetzt zeichnet sich ein erheblicher zusätzlicher Finanzbedarf ab.
Millionen für Technik und zusätzliche Kunstankäufe
Die Bürgermeisterin nannte mehrere Probleme:
- Technikzentrale nicht im Kostenrahmen: Die erforderliche Technikzentrale sei im zugrunde gelegten Budget nicht enthalten gewesen. Dafür seien nach heutigem Stand zusätzliche Aufwendungen im mittleren siebenstelligen Bereich zu erwarten.
- Weitere Kunstankäufe: Zwischen dem 24. März und dem 17. Oktober 2025 seien zusätzliche Kunstankäufe im Umfang von rund 2,3 Millionen Euro veranlasst worden. Nach Darstellung der Bürgermeisterin hatte der Rat dafür im Projektbudget keine Mittel bereitgestellt.
- Größerer Sanierungsbedarf: Rückbauarbeiten hätten zusätzliche Schäden am Bestandsgebäude offengelegt, unter anderem an Dachabdichtung, Böden und Elektroinstallation sowie durch Feuchtigkeit. Das Gutachten von 2018 habe den tatsächlichen Sanierungsbedarf deutlich unterschätzt.
- Weitere Brandschutzkosten: Zusätzliche Anforderungen und daraus folgende bauliche Anpassungen verursachten ebenfalls Mehrkosten.
Eine abschließende Gesamtsumme der zusätzlichen Kosten wurde nicht genannt. Die Gesamtfertigstellung wird inzwischen für Ende 2028 prognostiziert.
Einen Baustopp bestritt die Bürgermeisterin. Weniger sichtbare Bautätigkeit erklärte sie mit laufender Planung, Bauteilproduktion und technischen Abstimmungen. Kosten durch einen Baustopp seien nicht entstanden.
Folgekosten und Betreiberkonzept bleiben offen
Besonders schwer wiegt die Darstellung der Bürgermeisterin, dass kein hinreichend belastbares, abschließend ausgearbeitetes Betreiber- und Wirtschaftlichkeitskonzept vorliege. Annahmen zur Vermietbarkeit und zu möglichen Einnahmen hätten sich als deutlich zu optimistisch erwiesen.
Die zuständige Geschäftsführung solle deshalb ein belastbares Konzept erarbeiten. Geprüft werde auch eine breitere gesellschaftliche Nutzung. Das begonnene Projekt sei wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll zu stoppen; nun müsse der größtmögliche Nutzen für die Monheimer Bevölkerung erreicht werden.
Welche laufenden Kosten und Zuschüsse der Betrieb künftig erfordern wird, blieb in der öffentlichen Debatte offen.
Ratsmitglieder fühlen sich hinters Licht geführt
Mehrere Ratsmitglieder reagierten mit scharfer Kritik. Frau Dr. Linhardt erklärte, sie fühle sich durch die damalige Beschlussvorlage hinters Licht geführt. Bei einem Projektbudget von 49,5 Millionen Euro habe der Rat von einer funktionsfähigen Pyramide ausgehen müssen, die selbstverständlich auch Heizung, Wasser und Strom hat. Das sei nach Darstellung der Bürgermeisterin aber nun nicht der Fall.
Peto wies die Vorwürfe zurück. Die Fraktion verwies auf bereits angekündigte weitere technische Planungsschritte und verteidigte die bisherigen Nutzungsideen. Es habe Vorstellungen zur Ansiedlung von Unternehmen aus dem Kunstgewerbe und interessierte potenzielle Mieter gegeben. Vorwürfe über Fehler oder unrechtmäßiges Handeln nähmen das Ergebnis einer Prüfung vorweg.
Rat beschließt Prüfung möglicher Verantwortlichkeiten
Alexander Schumacher (SPD) beantragte daraufhin eine weitergehende Untersuchung. Die Bürgermeisterin bestätigte, dass die angesprochenen Sachverhalte bislang nicht von den bestehenden Prüfaufträgen erfasst seien.
Der beschlossene Auftrag lautet sinngemäß:
Die Stadt Monheim am Rhein überprüft den dargestellten Sachverhalt weitergehend, gegebenenfalls unter Hinzuziehung externer Rechtsberatung. Insbesondere soll geprüft werden, ob gegen die zum damaligen Zeitpunkt handelnden und verantwortlichen Personen der Stadt Monheim am Rhein und ihrer Gesellschaften disziplinarrechtliche und/oder strafrechtliche Maßnahmen eingeleitet sowie zivilrechtliche Ansprüche geltend gemacht werden können.
Alle im Rat vertretenen Parteien mit Ausnahme von Peto stimmten dafür, ebenso die Bürgermeisterin. Der frühere Bürgermeister Daniel Zimmermann war zuvor wegen einer vom Rat mehrheitlich festgestellten Befangenheit von der weiteren Beratung und Abstimmung ausgeschlossen worden. Peto kündigte eine rechtliche Überprüfung dieses Ausschlusses an.
Damit erreicht die politische Auseinandersetzung um die Mack-Pyramide einen neuen Höhepunkt: Neben zusätzlichen Millionenbelastungen und ungeklärten Folgekosten stehen nun auch mögliche persönliche Verantwortlichkeiten zur Prüfung. Ob rechtlich relevantes Fehlverhalten vorliegt, ist damit noch nicht festgestellt.
Quelle: Stadt Monheim
Bericht: LT
Fotos/Video: anzeiger24.de mit KI-Visualisierung
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