
Morgendliches Verkehrschaos, zugeparkte Gehwege und riskante Wendemanöver unmittelbar vor den Schultoren: Mit sogenannten Elternhaltestellen will die Stadt Monheim gefährliche Situationen im Schulumfeld entschärfen. Mittlerweile gibt es im Stadtgebiet acht solcher Hol- und Bringzonen. Sie werden von Schülerinnen und Schülern mehrerer Schulen genutzt.
Damit verfügt Monheim im Vergleich zu den übrigen Städten des Kreises Mettmann über ein besonders weit ausgebautes Netz. Elternhaltestellen gibt es zwar auch in anderen Städten – beispielsweise in Ratingen. Häufig handelt es sich dort jedoch um Angebote an einzelnen Schulen. In Monheim werden dagegen inzwischen nahezu alle Grundschulstandorte und auch einzelne weiterführende Schulen einbezogen.

Acht Haltestellen – nicht zwölf
Die zuletzt genannte Zahl von zwölf Elternhaltestellen ist allerdings nicht richtig. Nach aktuellen Angaben der Stadt gibt es acht Standorte. Denn einzelne Haltestellen werden von Kindern mehrerer Schulen genutzt.
So dient die Elternhaltestelle an der Krischerstraße unter anderem der Lottenschule, der Astrid-Lindgren-Schule und dem Förderzentrum Süd. Die Haltestelle an der Knipprather Straße wird von der Grundschule am Lerchenweg und der Peter-Ustinov-Gesamtschule genutzt. Weitere Angebote bestehen unter anderem für die Hermann-Gmeiner-Schule, die Winrich-von-Kniprode-Schule, die Armin-Maiwald-Schule, die Grundschule Bregenzer Straße und inzwischen auch für die Grundschule Im Pfingsterfeld.
Die letzten 450 Meter zu Fuß
Die jüngsten Elternhaltestellen wurden zum Beginn des Schuljahres an der Lichtenberger Straße in Höhe der Hausnummer 16 eingerichtet. Zwei jeweils zehn Meter lange Bereiche bieten Platz für jeweils zwei Autos. Sie sollen vor allem den Verkehr an der Grundschule Im Pfingsterfeld und in der Käthe-Kollwitz-Straße reduzieren. Der dortige Wendehammer war nach Angaben der Stadt regelmäßig durch Elterntaxis zugeparkt.
Von der neuen Haltestelle müssen die Kinder noch rund 450 Meter bis zur Schule laufen. Das ist deutlich weiter als bei den ersten Monheimer Standorten. Als die Stadt das Konzept 2022 einführte, hieß es ausdrücklich, keine Elternhaltestelle liege weiter als 250 Meter von der jeweiligen Schule entfernt.
Für die größere Entfernung gibt es vor allem verkehrliche und räumliche Gründe: Von der Lichtenberger Straße führt der geprüfte Schulweg zunächst über einen Fußgängerüberweg und anschließend über einen beleuchteten Geh- und Radweg. Nach Einschätzung der Stadt ist die Strecke deshalb trotz ihrer Länge sicher und für Grundschulkinder gut zu bewältigen. Zugleich kann der Autoverkehr aus dem problematischen Wendehammer herausgehalten werden.
Drei Minuten zum Ein- und Aussteigen
Die blau-gelb markierten Flächen sind keine Parkplätze. Eltern dürfen dort grundsätzlich nur bis zu drei Minuten halten, damit ihr Kind ein- oder aussteigen kann. Das Fahrzeug darf dabei nicht verlassen werden.
Die Kinder sollen den restlichen Weg selbstständig oder gemeinsam mit Mitschülerinnen und Mitschülern zurücklegen. Dadurch sollen sie Bewegung bekommen, den Straßenverkehr besser kennenlernen und zunehmend selbstständig werden.
An der Armin-Maiwald-Schule wurde die Nutzung 2024 unter anderem mit Elternbriefen, Unterrichtsaktionen und einem Wettbewerb gefördert. Kinder erhielten Aktivitätspunkte, wenn sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus kamen oder zumindest an der Elternhaltestelle aus dem Auto stiegen.
KOD kontrolliert – zunächst wird gesprochen
Auf Anfrage von anzeiger24.de teilte die Stadt mit, dass der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) die Elternhaltestellen regelmäßig anfährt. Dabei werde auch gegen Fehlverhalten vorgegangen, beispielsweise gegen das Halten oder Parken in Verbotszonen.
Im Vordergrund stehe allerdings zunächst das Gespräch. Die Beschäftigten seien angewiesen, bei den Eltern Verständnis für die sichere Nutzung zu wecken. Ein Verwarnungs- oder Bußgeld werde vor allem bei Wiederholungen, besonderer Gefährdung oder fehlender Einsicht verhängt. Je nach Verstoß werden 25 bis 70 Euro fällig. Wer auf einem Gehweg parkt und dabei andere behindert, muss unter Umständen zusätzlich mit einem Punkt in Flensburg rechnen.
Ob der Verkehr abgenommen hat, bleibt offen
Wie häufig 2025 und 2026 gerade an den Elternhaltestellen Bußgelder verhängt wurden, kann die Stadt nach eigener Darstellung nicht beziffern. Im Erfassungssystem könne lediglich nach einer gesamten Straße, nicht aber nach einem bestimmten Abschnitt im Bereich einer Elternhaltestelle gefiltert werden.
Auch zur entscheidenden Frage, ob durch die Haltestellen tatsächlich weniger Elterntaxis unmittelbar vor die Schulen fahren, gibt es keine belastbare Antwort. Die Entwicklung werde nicht repräsentativ erhoben und sei von Schule zu Schule unterschiedlich.
Damit ist das Monheimer Angebot zwar umfangreich und sichtbar. Ob die Elternhaltestellen den Verkehr vor den Schulen dauerhaft verringern, lässt sich bislang allerdings nicht mit Zahlen belegen. Genau diese Erfolgskontrolle wäre sinnvoll: Denn Markierungen und Schilder können nur dann für mehr Sicherheit sorgen, wenn die vorgesehenen Haltestellen von den Eltern auch tatsächlich genutzt werden.
Quelle: Stadt Monheim
Bericht: LT
Fotos/Video: anzeiger24.de/
Weitere News aus Deiner Stadt gibt es hier
Ihr wollt uns Eure Meinung sagen? Gerne per Mail an presse@anzeiger24.de
oder als Kommentar bei Facebook. Euch hat unser Beitrag gefallen? Dann liked und teilt ihn gerne.
Du hast einen Tipp, eine Anregung, zu welchem Thema wir einmal recherchieren sollten?
Schreib uns an monheim@anzeiger24.de.
Deine Zuschrift wird streng vertraulich behandelt!
