Mack-Pyramide landet erneut im Schwarzbuch: „Chronologie des Grauens“

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz rechnet ungewöhnlich scharf mit dem Vorgehen des früheren Bürgermeisters Daniel Zimmermann ab

Über die Mack-Pyramide, ihren umstrittenen Erweiterungsbau und die Rolle des früheren Bürgermeisters Daniel Zimmermann haben wir mehrfach berichtet. Nun hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Fall in ihr neu erschienenes „Schwarzbuch der Denkmalpflege 2024/25“ aufgenommen. Auf sechs Seiten zeichnet sie die Vorgänge nach und fällt ein vernichtendes Urteil.

Unter der Überschrift „Wie im Krimi: Lug und Trug um die Scarabaeus-Pyramide“ bezeichnet die Stiftung das Monheimer Vorgehen als beispiellos. Noch nie habe sie einen vergleichbaren Umgang mit einem Denkmal erlebt.

 

Ein Denkmal, das plötzlich im Weg stand

Die zwischen 1987 und 1990 entstandene Pyramide wurde vom Architekten Horst Schmitges entworfen und von dem Künstler Heinz Mack im Inneren ausgestaltet. Die Stadt kaufte das Gebäude 2019 für 2,5 Millionen Euro. Zwei Jahre später stellte die städtische Denkmalbehörde den Komplex unter Schutz.

 

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Doch als die Pläne für eine massive Erweiterung konkreter wurden, erwies sich dieser Status offenbar als hinderlich. Im April 2023 strich deshalb die Stadt das Gebäude wieder aus der Denkmalliste. Als Begründung wurde ein Verfahrensfehler genannt: Die Stadt habe sich im ursprünglichen Verfahren als Eigentümerin nicht selbst angehört.

 

Die Stiftung kommentiert diesen Vorgang mit unverkennbarer Ironie. Die Stadt habe sich damit praktisch den selbst verliehenen Denkmalstatus wieder aberkannt und so die notwendige „Beinfreiheit“ für den Neubau geschaffen.

 

Sogar der noch nicht gebaute Neubau wurde zum Denkmal

Besonders kritisch bewertet das Schwarzbuch einen weiteren Vorgang: Im Juni 2025 wurde die Pyramide erneut in die Denkmalliste aufgenommen, einschließlich des damals noch gar nicht errichteten Erweiterungsbaus.

Ein zukünftiges Gebäude könne nach Auffassung der Stiftung jedoch nicht vorsorglich zum Denkmal erklärt werden. Sein geschichtlicher oder künstlerischer Wert lasse sich schließlich noch gar nicht rückblickend beurteilen. Auch der Landschaftsverband Rheinland habe die Aufnahme des Neubaus kritisch gesehen und die geplante Überformung der Pyramide als nicht denkmalgerecht bewertet.

 

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Kurz darauf wurde der Denkmalstatus erneut aufgehoben. Für die Stiftung entsteht dadurch der Eindruck, dass der Schutzstatus jeweils den politischen und baulichen Bedürfnissen angepasst worden sei. Ein Denkmalstatus sei jedoch „kein Prädikat, das man nach eigenem Gutdünken verleihen und wieder entziehen kann“.

 

Das angebliche Gutachten existierte nicht

Auch der Streit um die Urheberschaft, über den wir bereits ausführlich berichtet hatten, nimmt breiten Raum ein. Zimmermann hatte sich wiederholt auf ein angebliches Gutachten berufen, wonach nicht Schmitges, sondern allein Mack als Urheber des Gesamtwerks anzusehen sei. Da Mack dem Erweiterungsbau zugestimmt hatte, sollte damit offenbar auch die urheberrechtliche Grundlage für die Überbauung geschaffen werden.

 

Schmitges bestritt diese Darstellung und verlangte gerichtlich die Herausgabe des Gutachtens. Erst im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf wurde Anfang 2026 deutlich: Ein solches Gutachten gab es nicht. Zimmermann erklärte nach Darstellung des Schwarzbuchs, die Behauptung sei aufgestellt worden, um die Verhandlungsposition der Stadt zu stärken und Einwände des Architekten frühzeitig abzuwehren.

 

Hier geht das Schwarzbuch über eine bloße Zusammenfassung hinaus. Die Stiftung spricht ausdrücklich von einer Lüge und sieht darin ein Beispiel dafür, weshalb Gutachten nicht nur auszugsweise oder über ihre angeblichen Ergebnisse öffentlich gemacht werden sollten. Nur das gerichtliche Verfahren habe aufgedeckt, dass das mehrfach angeführte Dokument überhaupt nicht existierte.

 

Abriss trotz laufender Prüfung

Kritisch bewertet wird zudem, dass Teile des geschützten Lagergebäudes bereits im Juni 2025 abgerissen wurden, obwohl das denkmalrechtliche Prüfverfahren nach Einschätzung der Stiftung noch nicht abgeschlossen war. Während eines solchen Verfahrens gelte grundsätzlich ein vorläufiger Veränderungsstopp.

 

Die Stiftung hält den Abriss deshalb für denkmalrechtswidrig. Dabei handelt es sich allerdings um ihre rechtliche Bewertung. Eine abschließende gerichtliche Entscheidung über diesen konkreten Vorwurf führt das Schwarzbuch nicht an.

 

Auch mögliche Verstöße gegen Vergabe- und Verwaltungsrecht werden thematisiert. Die Kommunalaufsicht hatte die Vergabe des mehr als 50 Millionen Euro teuren Projekts beanstandet. Zimmermann wiederum erklärte die Weisung des Kreises für rechtswidrig. Die Stiftung selbst legt sich bei der abschließenden juristischen Beurteilung dieser Fragen nicht fest, erwartet aber eine umfassende Aufarbeitung.

 

Was das Schwarzbuch unserer Berichterstattung hinzufügt

Viele Einzelheiten sind nicht neu. Über den Streit mit Schmitges, das angebliche Gutachten, die Kritik am Vergabeverfahren und den Beginn der Arbeiten trotz ungeklärter Rechtsfragen hatten wir bereits berichtet. Das Schwarzbuch zitiert sogar ausdrücklich einen Beitrag von anzeiger24.de vom 11. Juni 2025.

 

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Neu ist vor allem die gebündelte Bewertung durch eine bundesweit tätige und fachlich anerkannte Denkmalschutzorganisation. Die Stiftung betrachtet den Fall nicht lediglich als kommunalpolitische Kontroverse oder als Streit über ein teures Prestigeprojekt. Sie sieht darin ein grundsätzliches Beispiel dafür, wie Denkmalschutz politisch passend gemacht und fachliche Einwände beiseitegeschoben worden seien.

 

Trotz des Bürgermeisterwechsels wird das Projekt weitergebaut. Die Stadt verweist darauf, dass eine Vertragsaufhebung mit hohen Kosten verbunden wäre. Im März 2026 wurde bereits Richtfest gefeiert; die vollständige Fertigstellung ist für Juni 2027 vorgesehen.

Damit dokumentiert das Schwarzbuch vor allem eines: Die Erweiterung lässt sich baulich nicht stoppen. Die politische und rechtliche Aufarbeitung der Entscheidungen, die zu ihr geführt haben, dürfte damit aber keineswegs beendet sein.

 

Bericht: LT

Fotos: anzeiger24.de

 

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