Bürgerkino gestrichen: Hat Monheim nicht ohnehin genug Kinoplätze?

Der Verzicht spart bei den Baukosten rund 1,3 Millionen Euro bei schon heute überdurchschnittlich guten Kapazitäten

Das geplante Bürgerkino im neuen Altstadtkulturzentrum wird nicht gebaut. Das hatte der Rat noch vor der Sommerpause beschlossen. Hintergrund ist unter anderem, dass die Bezirksregierung Düsseldorf das Kino als wirtschaftlich nutzbare und damit nicht förderfähige Maßnahme eingestuft hatte.

Und wieder einmal ging es um hohe Beträge. Ursprünglich sollte das gesamte Altstadtkulturzentrum einschließlich Kino rund 11,93 Millionen Euro kosten. Der auf das Bürgerkino entfallende Anteil wurde mit knapp 1,8 Millionen Euro berechnet. Weil durch Stillstand, Änderungen und Umplanungen allerdings rund 500.000 Euro zusätzliche Kosten entstehen, sinken die Gesamtkosten letztlich auf rund 10,64 Millionen Euro. Die tatsächliche Entlastung bei den Baukosten liegt damit bei rund 1,3 Millionen Euro.

Aber: auch zukünftige Betriebskosten fallen weg

Hinzu kommt allerdings: Ein Kino kostet nicht nur beim Bau Geld. Auch Personal, Betrieb und Programm hätten dauerhaft finanziert werden müssen. Wie hoch diese jährlichen Kosten gewesen wären, kann die Stadt derzeit nicht beziffern. Denn das künftige Betriebskonzept für Café, Bürgersaal und Karnevalkabinett wird noch erarbeitet.

Interessant: Monheim hat bereits 557 Kinoplätze

Interessant wird der Verzicht auf das Bürgerkino beim Blick auf das vorhandene Angebot. Das erst 2024 eröffnete Emotion-Kino verfügt bereits über sechs Säle und insgesamt 557 feste Plätze. Der kleinste Saal hat lediglich 33 Plätze und kommt damit also bereits recht nah an das ursprünglich geplante Bürgerkino mit rund 40 Plätzen heran.

Bei 47.190 Einwohnern Ende 2025 kommt Monheim damit rechnerisch auf einen festen Kinoplatz je rund 85 Einwohner. Und genau dieser Wert ist bemerkenswert.

Monheim liegt deutlich über dem Durchschnitt

Ein Vergleich zeigt: die Filmförderungsanstalt weist für Deutschland 2025 insgesamt 758.351 Kinoplätze bei rund 83,5 Millionen Einwohnern aus. Das entspricht bundesweit nur etwa einem Kinoplatz je 110 Einwohner. In Nordrhein-Westfalen liegt die Quote sogar nur bei einem Platz je 114 Einwohner.

Der Vergleich mit dem direkten Nachbarn Langenfeld fällt dagegen noch deutlicher aus. Das dortige Rex-Kino verfügt über drei Säle mit zusammen 344 Plätze. Bei zuletzt von der Stadt ausgewiesenen 61.522 Einwohnern entspricht das ungefähr einem Kinoplatz je 179 Einwohner.

 

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Kein Kinomangel in Monheim – warum dann überhaupt noch ein weiteres Kino?

An klassischen Kinoplätzen herrscht in Monheim kein Mangel. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl ist die Kinoplatzdichte in Monheim damit rund 30 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt und rund 34 Prozent höher als im NRW-Durchschnitt.

Das geplante Bürgerkino wäre allerdings kein bloßer siebter Saal des bestehenden Kinos gewesen. Mit Dokumentationen, Filmklassikern, Originalfassungen und einem von Bürgern mitgestalteten Programm sollte es bewusst eine andere kulturelle Ausrichtung erhalten.

Doch wäre ein solches Angebot von den Monheimern überhaupt angenommen worden und wirtschaftlich tragbar? Hätte dieses besondere kommunale Programmangebot zusätzliche Investitions- und laufende Betriebskosten gerechtfertigt? Diese Fragen werden nach der jetzigen Entscheidung wohl für immer unbeantwortet bleiben.

Quelle: Stadt Monheim
Bericht: LT

Fotos/Video: anzeiger24.de/

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