
Wer als Jugendlicher kriminell wird, könnte es auch dauerhaft bleiben – es sei denn er oder sie „kriegt noch einmal die Kurve“, wie der Volksmund sagt. Nach dieser Redensart ist auch ein Präventionsprogramm des Landes NRW benannt, das im Kreis Mettmann seit mittlerweile zehn Jahren praktiziert wird. Bei einer Jubiläumsveranstaltung am 14. September 2026 bei der Caritas in Mettmann trafen sich die Verantwortlichen mit ihren Kooperationspartnern, um zurück aber auch nach vorne zu blicken.
Das Projekt „Kurve kriegen“ wurde 2011 vom NRW-Innenministerium gegründet und richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 18 Jahren, die einmal oder auch mehrfach schwerwiegend polizeilich in Erscheinung getreten sind und aufgrund ihrer Lebensumstände dauerhaft in die Kriminalität abgleiten könnten.
Landesweit wird das Programm „Kurve kriegen“ mittlerweile in 42 von 47 Kreispolizeibehörden umgesetzt.
89 Fälle, 46 erfolgreiche Abschlüsse – und ein klares Ziel
Ob Betroffene an dem Programm teilnehmen, entscheiden sie selber mit ihren Eltern freiwillig. In dem Fall betreuen und begleiten zwei pädagogische Fachkräfte der Caritas und zwei polizeiliche Ansprechpartnerinnen und -partner die Kinder und Jugendlichen bei ihrem weiteren Lebensweg.
In sozialen Trainingsangeboten lernen sie, mit Konflikten und Frustration besser umzugehen und Aggressionen abzubauen. Auch das familiäre und soziale Umfeld wird intensiv einbezogen.
„Das Ziel dabei bleibt klar: Kriminalität verhindern“, erklärt die Kreispolizei Mettmann.
Seit dem Beginn im Jahr 2016 wurden im Kreis Mettmann insgesamt 89 Kinder und Jugendliche in die Initiative aufgenommen. 46 von ihnen haben dabei laut Kreispolizeibehörde die „Kurve gekriegt“ und wurden mit einer „positiven Sozialprognose aus der Betreuung entlassen“.
Doch hinter der Arbeit steckt noch mehr als Zahlen und Statistiken: „Hinter einer Straftat steckt häufig eine ganze Reihe von Problemen“, sagen die beiden pädagogischen Fachkräfte Nils Ostermann und Petra Bräcklein von der Caritas. „Gemeinsam schauen wir auf diese Probleme und versuchen dann, diese individuell und ganzheitlich zu lösen, um eine nachhaltige Verbesserung zu erzielen und weitere Straftaten zu verhindern“, ergänzt Petra Bräcklein.
Wege und Perspektiven eröffnen – weniger Opfer
„Straftaten dürfen nicht folgenlos bleiben – aber sie müssen auch nicht das ganze weitere Leben eines jungen Menschen bestimmen“, meinte dazu auch Landrätin Dr. Bettina Warnecke bei der Jubiläumsfeier. „’Kurve Kriegen‘ setzt genau hier an: konsequent, individuell und mit dem Ziel, neue Wege und Perspektiven zu eröffnen. Die langfristige und passgenaue Unterstützung macht nachhaltige Veränderung möglich.“
Holger Schepanski, Abteilungsleiter der Kreispolizeibehörde Mettmann, betont: „Bedenkt man, dass jugendliche Intensivtäter bis zu ihrem 25. Lebensjahr durchschnittlich rund 100 Opfer hinterlassen, die sie geschlagen, bestohlen oder anderweitig geschädigt haben, wird die Bedeutung von ‚Kurve kriegen‘ besonders deutlich. Denn jede Tat, die verhindert werden kann, bedeutet einen Menschen, der nicht Opfer einer Straftat geworden ist.“
Quelle/Foto: Kreispolizei Mettmann
bearb: KA
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