Klima-Camp am Rhein: Bis zu 400 Aktivisten kommen nach Monheim

Vier Tage lang wird der Rheinbogen zum Zentrum des Umweltprotests. Eine Demonstration zieht am Samstag vom Bayer-Standort durch die Innenstadt

Am Landschaftspark Rheinbogen startet heute, 27. August, bis Sonntag, 30. August 2026, ein großes Umweltcamp. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 400 Teilnehmern. Auf der Wiese neben dem Wasserspielplatz an der Kapellenstraße wollen Umweltgruppen über die Zukunft des Rheins, die Qualität des Wassers und die Folgen der Klimakrise diskutieren.

Das sogenannte Rheincamp ist Teil einer bundesweiten Reihe von Flusscamps. Vergleichbare Treffen finden 2026 auch an Spree, Weser sowie Elbe und Saale statt. Dahinter steht ein Netzwerk aus Umweltorganisationen, Initiativen und ehrenamtlichen Aktivisten, das nach eigenen Angaben eine neue Bewegung für eine gerechtere Verteilung und einen besseren Schutz des Wassers aufbauen möchte.

Robin Wood ist nicht alleiniger Veranstalter

Eine zentrale Rolle übernimmt die bundesweit bekannte Umweltorganisation Robin Wood. Der 1982 gegründete Verein versteht sich als gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt und wurde vor allem durch spektakuläre Kletter-, Besetzungs- und Protestaktionen bekannt.

Organisiert wird das Camp jedoch von einem breiteren Bündnis. Dazu gehören neben Robin Wood unter anderem das in Köln ansässige Klima*Kollektiv und das Wasserbündnis Rheinisches Revier. Das Klima*Kollektiv bezeichnet die Flusscamps ausdrücklich als Bildungs-, Vernetzungs- und Aktionsorte einer wachsenden „Wasserbewegung“.

RWE-Pipeline steht im Mittelpunkt

Eines der Hauptthemen ist die geplante neue Rheinwassertransportleitung von RWE. Über die rund 45 Kilometer lange Pipeline soll ab 2030 Wasser aus dem Rhein bei Dormagen in Richtung der ehemaligen Braunkohletagebaue Hambach und Garzweiler geleitet werden. Dort sollen nach dem Ende des Kohleabbaus große Seen entstehen.

Je nach Wasserstand ist eine Entnahme von 1,8 bis maximal 18 Kubikmetern pro Sekunde vorgesehen. Nach Darstellung von RWE soll die entnommene Menge stets weniger als ein Prozent des jeweiligen Rheinabflusses betragen. Die Leitung soll außerdem Feuchtgebiete versorgen und die Grundwasserverhältnisse in der früheren Tagebauregion stabilisieren. Der Rahmenbetriebsplan wurde im Januar 2026 von der Bezirksregierung Arnsberg genehmigt. RWE und die Bezirksregierung Arnsberg sehen das Projekt als wichtigen Teil der Rekultivierung.

Die Umweltverbände sehen das kritischer. Sie befürchten Probleme bei lang anhaltendem Niedrigwasser und verlangen ein Moratorium. Außerdem soll nach ihrer Auffassung genauer untersucht werden, welche Folgen Schadstoffe im entnommenen Rheinwasser für die geplanten Seen und das Grundwasser haben könnten. Eine wissenschaftliche Untersuchung dazu soll nach bisherigen Angaben im Herbst 2026 vorliegen.

Monheim-Demo-anzeiger24

Demonstration startet vor Bayer

Der Höhepunkt der Veranstaltung ist eine Demonstration am Samstag, 29. August. Sie beginnt um 12 Uhr an der Alfred-Nobel-Straße 50, unmittelbar vor dem Monheimer Standort der Bayer-Division Crop Science. Nach einer Mahnwache und einem Konzert soll sich der Demonstrationszug dann gegen 13 Uhr in Richtung Innenstadt und Rheinwiesen bewegen.

Die Veranstalter stellen dabei die Belastung des Rheins durch PFAS, Pestizide und industrielle Produktionsrückstände in den Mittelpunkt. Ihre Vorwürfe gegen Bayer und andere Industrieunternehmen sind allerdings zunächst politische Positionen des Protestbündnisses. Ein konkreter Nachweis, dass der Monheimer Bayer-Standort für die bei dem Camp thematisierten Rheinbelastungen verantwortlich ist, geht aus den Veranstaltungsinformationen nicht hervor.

Die Polizei erwartet bei der Demonstration ungefähr 200 Teilnehmer. Sie will sowohl einen friedlichen Verlauf als auch die freie Meinungsäußerung gewährleisten und bei Verstößen gegen geltendes Recht einschreiten.

Workshops, Filme und Aufräumaktion

Das Rheincamp besteht nicht nur aus Protest. Vorgesehen sind Workshops, Diskussionsrunden, Filme, Musik und Exkursionen. Thematisiert werden unter anderem die Rechte von Flüssen, Hochwasserschutz, Mikroplastik, Auenlandschaften und der Kohleausstieg. Geplant sind außerdem eine Aufräumaktion am Rhein, eine botanische Wanderung durch die Urdenbacher Kämpe und eine Lesung mit dem Autor Hans Jürgen Balmes.

Parkplatz bleibt mehrere Tage gesperrt

Für Bürger und Besucher bringt die Veranstaltung Einschränkungen mit sich. Der Parkplatz am Landschaftspark Rheinbogen ist bereits seit Mittwoch, 26. August, 9 Uhr, vollständig gesperrt. Die Sperrung soll bis Montag, 31. August, gegen 14 Uhr dauern.

Die Stadt empfiehlt, auf Parkplätze in der Innenstadt oder das Parkhaus an der K714 auszuweichen. Rund um die Kapellenstraße ist mit mehr Fußgängern und Radfahrern zu rechnen. Während der Demonstration am Samstag könnten in der Innenstadt außerdem kurzfristige Straßensperrungen und Verkehrsbehinderungen entstehen. Die Stadt Monheim informiert auf ihrer Website über mögliche Sperrungen.

Quelle: Robin Wood, Klima*Kollektiv

Bericht: LT

Fotos/Video: anzeiger24.de/

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