
Ingeborg Friebe ist tot. Die langjährige Bürgermeisterin von Monheim am Rhein und frühere Präsidentin des nordrhein-westfälischen Landtags starb am Dienstag, 11. August, im Alter von 95 Jahren. Mit ihr verliert die Stadt eine Persönlichkeit, die ihre Entwicklung über Jahrzehnte maßgeblich geprägt hat.
Sie erkämpfte Monheims Selbstständigkeit
Friebes Name ist untrennbar mit einem entscheidenden Kapitel der Stadtgeschichte verbunden. Als junge Landtagsabgeordnete setzte sie sich Mitte der 1970er-Jahre mit großer Beharrlichkeit dafür ein, dass Monheim nach der Eingemeindung nach Düsseldorf wieder selbstständig werden konnte.
Nachdem der Verfassungsgerichtshof die Eingemeindung für unzulässig erklärt hatte, drohte Monheim stattdessen die Zusammenlegung mit Langenfeld. Friebe mobilisierte im Landtag Unterstützung über Parteigrenzen hinweg. Bei der entscheidenden Abstimmung am 19. Mai 1976 scheiterte die Fusion. Monheim erhielt seine Eigenständigkeit zurück. In der Bevölkerung brachte ihr dieser Erfolg den Beinamen „Mutter Courage“ ein.
21 Jahre an der Spitze der Stadt
Noch im selben Jahr wurde Friebe zur Bürgermeisterin gewählt. Mehr als zwei Jahrzehnte stand sie anschließend an der Spitze Monheims und begleitete zahlreiche wichtige Veränderungen.
In ihre Amtszeit fielen unter anderem der Ausbau der Infrastruktur, die Eröffnung von Freibad sowie Feuer- und Rettungswache, die Gründung der ersten Gesamtschule und die Ansiedlung des Bayer-Pflanzenschutzzentrums. Auch die Verlegung der Bahngleise aus der Innenstadt und die Entwicklung einer neuen Stadtmitte mit den Rathaus-Centern wurden unter ihrer Führung vorangetrieben.
Auch landespolitisch schrieb sie Geschichte
Parallel zu ihrer kommunalpolitischen Arbeit gehörte Friebe von 1975 bis 1995 dem nordrhein-westfälischen Landtag an. 1985 wurde sie Vizepräsidentin. Fünf Jahre später folgte ein historischer Schritt: Friebe wurde als erste Frau zur Präsidentin des NRW-Landtags gewählt.
Für ihr politisches und gesellschaftliches Wirken erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. 1996 verlieh ihr Monheim den Ehrenring, die höchste Auszeichnung der Stadt. Im Jahr 2000 wurde sie zur Ehrenbürgermeisterin ernannt – eine Würdigung, die in Monheim bis heute einmalig ist.
Ihr Name bleibt im Herzen der Stadt
Auch nach ihrem Ausscheiden aus der Politik blieb Friebe ihrer Heimatstadt eng verbunden. Zu ihrem 90. Geburtstag erhielt der zentrale Platz am Busbahnhof den Namen Ingeborg-Friebe-Platz.
Nun nimmt Monheim Abschied von einer Frau, die ihre Stadtgeschichte entscheidend mitgeschrieben hat. Als Zeichen der Trauer werden die Fahnen vor dem Rathaus am Mittwoch, 12. August, auf Halbmast gesetzt. Ab Donnerstag, 13. August, liegt im Rathaus ein Kondolenzbuch aus.
bearb. GT
Quelle: Nachrichtendienst der Stadt Monheim am Rhein
Foto: Max Th. Hahn/Stadtarchiv
