Zimmermanns Stadtautos: Teures Alleingang-Projekt ohne Nutzen?

Car-Sharing in Monheim kostet schon über 1 Million Euro – doch Daten, Kontrolle und überzeugende Argumente fehlen bis heute

***Leitartikel***

Ex-Bürgermeister Daniel Zimmermann hatte sich bekanntlich umfangreiche Vollmachten genehmigen lassen. Dazu gehörte auch die Möglichkeit, Einzelgeschäfte bis zu 250.000 Euro eigenständig zu beauftragen. Das ist ein Betrag, der selbst in deutschen Großstädten nicht im Alleingang üblich ist. Welche Geschäfte er im Laufe der vergangenen Jahre konkret abgeschlossen hat, ist im Rathaus bislang (noch) nicht vollständig aufgearbeitet. Seine Nachfolgerin Sonja Wienecke bemüht sich derzeit um Transparenz. In diesen Kontext dürfte auch das Stadtauto-Car-Sharing-Projekt fallen.

 

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Was und warum Car-Sharing?

Auf den ersten Blick wirkt das Stadtauto-Angebot, dass zusammen mit der Firma mikar betrieben wird, wie ein modernes Mobilitätsprojekt: Eine Flotte elektrisch betriebener Fahrzeuge – überwiegend Renault Zoe – wird sowohl von städtischen Bediensteten als auch von Bürgern genutzt. Tagsüber dienen die Fahrzeuge teilweise als Dienstwagen, außerhalb dieser Zeiten stehen sie der Öffentlichkeit zur Verfügung.

 

Entscheidung im Alleingang

Die Einführung im Jahr 2019 erfolgte laut Stadt ausdrücklich „als laufendes Geschäft der Verwaltung“. Heißt: Der Stadtrat wurde nicht beteiligt. Zimmermann setzte das Projekt ohne politischen Beschluss um, obwohl es sich um ein Vorhaben handelt, das die Stadt inzwischen mit jährlich über 200.000 Euro belastet. Eine systematische Kontrolle oder politische Begleitung fand von Beginn an nicht statt.

 

Viele Versprechen – keine Belege

Die Stadt verweist auf Vorteile wie klimafreundliche Mobilität, effizientere Fahrzeugnutzung und eine Entlastung des Fuhrparks.

Doch konkrete Nachweise fehlen. Eine systematische Evaluation wurde nie durchgeführt. Statt belastbarer Kennzahlen stehen pauschale Aussagen im Raum: schöne Worte statt belastbarer Fakten.

 

Klimafreundlich? Nur teilweise geklärt

Auch der oft betonte Klimavorteil bleibt unbewiesen. Zwar sind die Fahrzeuge überwiegend elektrisch unterwegs, doch ohne Daten zu tatsächlich eingesparten Emissionen oder ersetzten Fahrten bleibt der ökologische Nutzen eine Annahme. Elektromobilität allein ersetzt keine Wirkungskontrolle.

 

Wer nutzt die Autos wirklich?

Auch hier ist die Datenlage lückenhaft. Es gibt keine jahresscharfen Nutzungszahlen, keine Differenzierung zwischen aktiven und inaktiven Nutzern und keine klare Aufschlüsselung der Nutzergruppen. Die Stadt nennt rund 600 registrierte Nutzer und etwa 3.500 Buchungen pro Jahr. Doch wer die Fahrzeuge tatsächlich nutzt, bleibt offen.

 

Und selbst die von der Stadt genannte Auslastung relativiert sich bei genauer Betrachtung: Ein Fahrzeug gilt bereits dann als „ausgelastet“, wenn es an einem Tag überhaupt gebucht wurde und möglicherweise nur wenige Minuten genutzt wurde.

 

Fahrradstadt Monheim – braucht es Car-Sharing überhaupt?

Monheim ist eine kompakte Stadt mit kurzen Wegen und einem gut ausgebauten Fahrrad- und E-Bike-Angebot. Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die Frage nach der Notwendigkeit eines dauerhaft subventionierten Car-Sharing-Systems. Eine belastbare Begründung fehlt.

 

Steigende Kosten, sinkende Rückflüsse

Die Kostenentwicklung ist dramatisch: Von rund 111.000 Euro im Jahr 2019 auf zuletzt über 210.000 Euro jährlich. Gleichzeitig sinken die Rückvergütungen aus der Umsatzbeteiligung markant:

  • 2021: rund 28.800 Euro
  • 2022: rund 23.800 Euro
  • 2023: rund 17.700 Euro
  • 2024: rund 13.000 Euro
  • 2025: nur noch 9.351 Euro

Innerhalb weniger Jahre sind die Einnahmen damit um rund zwei Drittel eingebrochen – während die Kosten massiv gestiegen sind.

 

Plausibilitätsrechnungen werfen Fragen auf

Besonders auffällig ist auch die Diskrepanz beim Abgleich von Nutzung und Einnahmen. Laut Stadt legen die Fahrzeuge jährlich rund 150.000 Kilometer zurück und werden etwa 3.500 Mal ausgeliehen.

Rechnet man konservativ (mit den Preisen von mikar) ergeben sich folgende Resultate:

  • Bei kilometergenauer Abrechnung (ca. 0,38 Euro/km): rund 57.000 Euro Umsatz
  • Bei Tagesbuchungen (49,90 Euro): rund 174.650 Euro Umsatz
  • Selbst bei vorsichtiger Stundenkalkulation: mindestens 50.000 Euro

Tatsächlich erhält die Stadt aber lediglich gut 9.300 Euro. Warum nur ein Bruchteil der potenziellen Einnahmen als Rückvergütung in der Stadt am Rhein ankommt, bleibt unbeantwortet.

 

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Dafür zahlen Bürger doppelt

Hinzu kommt eine weitere bemerkenswerte Erkenntnis: Der Anbieter mikar verlangt in Monheim für identische Fahrzeuge teils deutlich höhere Preise als in anderen Städten – Abweichungen von bis zu 25 Prozent sind feststellbar.

 

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Preise außerhalb von Monheim

 

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Preise für Monheim

 

Damit entsteht eine doppelte Belastung für die Bürger:
1. Über Steuergelder, mit denen das System finanziert wird
2. Über überdurchschnittlich hohe Mietpreise, die direkt an den Anbieter fließen

Die wirtschaftlichen Vorteile liegen somit offenbar einseitig beim Betreiber.

Fazit: Viele offene Fragen

Das Stadtauto-Projekt zeigt ein deutliches Ungleichgewicht: steigende Kosten, sinkende Einnahmen, fehlende Kontrolle und eine unzureichende Datenbasis. Gleichzeitig bleibt der tatsächliche Nutzen für die Allgemeinheit unklar.

 

Ein Projekt dieser Größenordnung, das ohne Ratsbeschluss gestartet wurde und inzwischen mehr als eine Million Euro gekostet hat, hätte längst einer transparenten und unabhängigen Überprüfung unterzogen werden müssen.

Diese steht bis heute aus.

 

Bericht: LT

Foto: anzeiger24.de

 

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